Ganze Schiffe, Bäume – ja sogar Wale soll dieser Meeresstrudel den Mythen nach verschlingen. In Erzählungen taucht der Moskenstraumen immer wieder als mystisches, unberechenbares und unergründliches Naturphänomen auf. Ob Edgar Allan Poe („Im Abgrund des Mahlstroms“) oder Jules Verne („20.000 Meilen unter den Meeren“), die Literaten setzen ihrer Fantasie keine Grenzen. Doch die Wirklichkeit ist weitaus nüchterner und physikalisch heute gut erklärbar.
Im Norden Norwegens – zwischen den Lofoten-Inseln Moskensøya und Værøy – wütet während heftiger Gezeitenströmungen und Sturm einer der stärksten Mahlströme (Gezeitenstrudel) weltweit. Mit großer Kraft und immer höherer Geschwindigkeit presst sich das Wasser durch die Meeresenge, die den Vestfjord mit der norwegischen See verbindet. Die Gezeitenkräfte formen ein sich ständig wandelndes Muster aus spektakulären Strömungen und kleinen, turbulenten Wasserwirbeln. Je größer der Gezeitenunterschied zwischen den Meeren ist, desto heftiger die Strömung
Forschende der Universität Bergen und des Norwegian Meteorological Institutes Oslo lieferten 2021 erste reale Messdaten: Bis zu 3 m/s beträgt die Strömungsgeschwindigkeit des Moskenstraumen – an stärkeren Stellen möglicherweise noch mehr [1]. 3 m/s entspricht an Land zwar etwa Schrittgeschwindigkeit, doch für eine Strömung ist das sehr stark! Selbst ein geübter Olympiaschwimmer würde in diesem Gezeitenstrom kaum vorankommen und mit ihm abgetrieben werden.
Was Fischer deshalb einst als unberechenbares Naturphänomen fürchteten, ist heute mit dem richtigen Wissen und erfahrener Begleitung sicher zugänglich. Geführte Bootstouren ermöglichen es, den Moskenstraumen sowie die umliegenden Fischerdörfer zwischen Juni und August aus nächster Nähe zu erleben. Wem hundert Euro für den Ausflug in das marine Ökosystem jedoch zu teuer sind, für den bleibt es am Ende vielleicht die Fantasie, die diesen Ort am nachhaltigsten bereist.
Mehr Infos: https://visitlofoten.com/en/activity/rib-safari/rib-safari-in-the-maelstrom-2/
[1] https://journals.ametsoc.org/view/journals/phoc/51/11/JPO-D-20-0290.1.xml
Foto: Mythisch-fiktive Darstellung des Moskenstraumen. Credits: KI-generiert mit Canva Magic Media