Ein Höhleneingang, aus dem plötzlich Wind mit bis zu 40 km/h weht – dieses Phänomen macht die Vjetrenica-Höhle im Dinarischen Karstgebirge von Bosnien und Herzegowina einzigartig. Es ist nicht nur ihr Alleinstellungsmerkmal, sondern auch der Namensgeber der Höhle, da vjetar aus dem Bosnischen übersetzt Wind bedeutet.
Die Windströmungen entstehen durch die unterschiedlich hohen Ebenen der Höhle. Durch die konstante Innentemperatur von durchschnittlich 11 Grad Celsius entstehen Druckunterschiede zwischen dem Inneren der Höhle und der Außenluft. Je nach Temperatur verändert sich die Strömungsrichtung: Während im Sommer die kühle Luft wie ein Atemstoß nach außen strömt, wird die kalte Außenluft im Winter eingesogen und erwärmt. In Übergangsphasen, in denen es morgens kühl und nachmittags wärmer ist – etwa im Frühling – wechselt die Windrichtung sogar mehrmals am Tag.
Die Vjetrenica-Höhle ist nicht nur wegen ihrer Windströmungen besonders, sondern auch aufgrund ihrer reichen Biodiversität. In der sieben Kilometer langen Höhle konnten bisher mehr als 230 Arten nachgewiesen werden, darunter Tiere, Pilze und kleinste Lebewesen, sogenannte Protisten. 40 Arten wurden dabei zum ersten Mal entdeckt. Laut der Homepage ist die Höhle weltweit auf Platz Eins in Biodiversität – ein Paper von Delić et al. (2023) ordnet sie jedoch auf Platz Zwei ein. Eins ist klar: Die Vjetrenica-Höhle gehört zu den biodiversesten Höhlen der Welt.
Für Besucher*innen sind etwa 600 Meter der Höhle zugänglich. Geöffnet ist die Vjetrenica-Höhle, je nach Jahreszeit, zwischen 9 und 18 Uhr. In den Wintermonaten verkürzen sich die Öffnungszeiten. Tourist*innen zahlen 25 KM (Bosnische Mark; knapp 13 Euro) Eintritt. Staatsbürger*innen zahlen dabei weniger als ausländische Tourist*innen.
Foto: Ein Weg in der Vjetrenica-Höhle. Credits: Wikipedia/Bdx.