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03/14/11

Alternative | Karriere fernab des Labors

© Brianne Blaser

Brianna Blaser ist Projektmanager des Outreach Program von Science Careers, der American Association for the Advancement of Science, "Triple A-S" (AAAS). Sie hält regelmäßig Vorträge über Karrierebiografien, die so vielfältig sind, dass keine Laufbahn der anderen gleicht. Karriereleitern werden nicht nur in der Wissenschaft erklommen, sondern auch außerhalb der Forschung. Deswegen organisiert Brianna Blaser für Promotionsstudenten und Postdoktoranden Workshops zu Themen wie Karriereoptionen außerhalb der Wissenschaft und Entwicklung von speziellen Fähigkeiten für die Jobsuche. Außerdem erklärt sie den Nachwuchswissenschaftlern, wie Networking funktioniert.

Brianna Blaser promovierte 2008 an der Universität in Washington im Fach Frauenforschung und Frauenwissenschaft. Im Interview mit science-guide.eu gibt sie Tipps und Beispiele für alternative Karrieren.

science-guide.eu: Es kursieren verschiedene Vorurteile über Karrieren außerhalb der Wissenschaft. Welche sind das?

Übersetzung:
Viele Leute denken, dass, wenn man eine alternative Karriere außerhalb der akademischen Laufbahn einschlägt, die Promotion Verschwendung war. Ich denke aber, dass man die Promotion anders einordnen muss. Einen Doktortitel zu haben und vor allem durch diesen Trainingsprozess zu gehen, das gibt dir viele Fähigkeiten, etwa kritisch zu denken. Man lernt zudem, Projekte zu managen. Man erlernt aber auch viele andere gute Fähigkeiten, zum Beispiel Daten zu analysieren, Artikel zu redigieren und so weiter. Das sind alles Fähigkeiten, die man in andere Bereiche mit hineinnehmen kann. Und natürlich hat man viel wissenschaftliches Fachwissen erlernt, das auch in anderen Bereich nützlich ist und nicht nur in der Forschung.

science-guide.eu: Welche weiteren Mythen über alternative Karrieren gibt es?

Übersetzung:
Ein anderer Mythos ist der Gedanke, dass eine alternative Karriere bedeutet, nicht erfolgreich gewesen zu sein. Man muss darüber nachdenken, wie man Erfolg definiert. Für mich bedeutet Erfolg nicht nur, dass man einen Beruf hat, der anderen Menschen hilft oder nützt, sondern es bedeutet vor allem, dass man glücklich ist. Wenn ich einen guten Job hätte und ich nicht glücklich damit bin, ihn auszuüben, dann würde ich mich wirklich fragen, ob das Erfolg ist oder nicht.

science-guide.eu: Welche Karrieremöglichkeiten gibt es zum Beispiel im Schulsektor?

Übersetzung:
In der weiterführenden Schule zu unterrichten ist eine Option für jemanden, der das Unterrichten gerne mag. Und man findet dort Menschen, die sich sehr darüber freuen, besonders in den Wissenschaften viel zu lernen. Man kann außerdem darüber nachdenken, die Lehrpläne zu erstellen, denn jemand muss entscheiden, was man unterrichtet, ob an der weiterführenden Schule oder an der Universität. Es gibt aber auch Menschen, die darüber forschen, wie wir unterrichten und wie die Studierenden lernen. Man kann aber auch in die Verwaltung gehen. Oder an eine Graduiertenschule, um denen dort zu erzählen, wie ihr berufliches Leben aussehen kann, wenn sie fertig sind. Man kann auch in einem Forschungszentrum Projekte organisieren. Es gibt also viele Plätze, in die man hineingehen kann. Und es gibt viele kleine Nischen, die man nicht unbedingt kennt, wenn man nicht mit Leuten darüber redet und etwas über sie erfährt.

science-guide.eu: Auch im privaten Unternehmenssektor gibt es alternative Karriereoptionen. Welche sind das?

Übersetzung:
Im Unternehmensbereich gibt es ebenfalls eine Vielzahl von möglichen Karrierewegen. Der bekannteste Bereich im privaten Sektor ist natürlich derjenige, bei dem man in der Industrie forscht. Aber man kann auch viele andere Sachen tun, zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit und das Marketing für das Produkt: Immerhin hat man ein besseres Verständnis über das Produkt als Personen ohne einen wissenschaftlichen Hintergrund.

science-guide.eu: Zudem gibt es Karriereoptionen sowohl im nicht-staatlichen als auch im NGO-Sektor für Wissenschaftler. Welche Beispiele kennen Sie dort?

Übersetzung:
Es gibt eine große Anzahl an Möglichkeiten im nicht-staatlichen Sektor, zum Beispiel die Verwaltung. Man kann auch in den Bereich der Politik gehen, zum Beispiel für Non-Profit Organisationen, um eine Lobby für die Politik zu bilden. Man kann aber auch Berichte schreiben, um die Leute darüber zu informieren, was in diesem Bereich passiert.

science-guide.eu: Glauben Sie, dass sich viele dank der guten alternativen Karrieremöglichkeiten in andere Richtungen orientieren werden und es so in Zukunft weniger Wissenschaftler geben wird?

Übersetzung:
Ich denke, dass die Leute immer noch die akademischen Jobs haben wollen. Und wenn man auf die Statistiken derjenigen schaut, die nach der Promotion erst einmal als Postdoktorand weiterforschen, dann sieht man, dass der Wunsch nach einem akademischen Beruf sehr weit verbreitet ist. Aber je länger die Leute in ihrer Postdoc-Phase sind, desto mehr stellen sie fest, dass es diese Jobs nicht sehr oft gibt. Dann sind sie oft auch weniger an den akademischen Jobs interessiert. Ich halte sehr viele Vorträge über alternative Karrieren in Amerika und in Europa. Die Leute kommen zu mir und sagen: „Ich bin interessiert und offen für neue Sachen, aber ich möchte es trotzdem mit dem akademischen Job versuchen. Wenn das nicht funktioniert, dann ist eine alternative Karriere toll.“ Es ist dieses akademische Feld: Die Leute haben ihre Augen immer noch auf diesen einen gewissen Preis der akademischen Karriere sie sind zumindest interessiert und gewollt etwas über die alternativen Karriereoptionen zu lernen, aber sie sehen diese immer noch als Plan B. Natürlich gibt es Leute, die wirklich die alternativen Karrieren bewusst suchen. Aber ich denke, wir werden nicht zu dem Punkt kommen, an dem uns Wissenschaftler fehlen.



Das Interview führte Maria Latos.
Übersetzung: Maria Latos


Dieser Beitrag entstand im Zuge des EuroScience Open Forum (ESOF) 2010.







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