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02/16/10

Türkei | Das Mittelmeer, das Schwarze Meer und die Meerforscher

Das Science-Guide-Forschungsschiff macht Station in der Türkei. Das Land befindet sich in einer ganz besonderen Lage: auf der einen Seite das Mittelmeer, auf der anderen das Schwarze Meer. Zwei Gewässer, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch zusammengehören. Die Wissenschaftler des Instituts für Meereswissenschaften an der Middle East Technical University of Turkey erforschen diese beiden vielfältigen Lebensräume.

Von Maike Krause

Meer, Meer und noch mehr Meer
Die geographische Lage der Türkei zeigt, warum das Land in der Meeresforschung so aktiv ist. An der südlichen Küste liegt das Institut für Meereswissenschaften. © Wikimedia Commons

Mittelmeer, Schwarzes Meer und Ägäisches Meer: Die Türkei ist zu einem Großteil von Wasser umgeben, die Küste ist stolze 7200 Kilometer lang – fast zweimal so lang wie die Grenze Deutschlands. Das macht das Land nicht nur zu einem beliebten Urlaubsziel sondern auch zu einem idealen Ort für die Meeresforschung. Das Institut für Meereswissenschaften an der Middle East Technical University of Turkey gehört in der Region zu den wichtigsten Forschungseinrichtungen. Hier beschäftigen sich die Wissenschaftler mit einer Vielzahl von Fragestellungen zu Meeresströmungen, Flora und Fauna, Nährstoffkonzentrationen und Klimawandel.

Der Mensch als Bedrohung

Das Mittelmeer und das Schwarze Meer sind Nachbarn. Über den Bosporus und die Dardanellen sind sie miteinander verbunden. Auf den ersten Blick sind sie sehr unterschiedlich. Das Mittelmeer ist von Natur aus nährstoffarm und sehr salzig, das Schwarze Meer hingegen ist deutlich weniger salzig, sehr reich an Nährstoffen und enthält in tiefen Bereichen keinen Sauerstoff. Gemeinsam ist den beiden Meeren vor allem, dass sie unter dem Einfluss des Menschen leiden. Industrie, Landwirtschaft und Fischerei bringen den Nährstoffhaushalt der Meere gründlich durcheinander. Vor allem das Schwarze Meer hat mit einem exzessiven Zustrom von Nährstoffen und gefährlichen Substanzen aus den umliegenden Ländern und den vielen Flüssen, die hier münden, zu kämpfen. Dazu kommen noch indirekte Einflüsse des Menschen durch Verstädterung der Küstenregionen, Industrialisierung, Tourismus und Klimawandel.

Bisher wird kaum etwas gegen die Probleme unternommen; auch deshalb, weil noch gar nicht genau bekannt ist, wie die beiden Ökosysteme Mittelmeer und Schwarzes Meer einzeln und miteinander funktionieren. Hier kommt das Projekt  SESAME ins Spiel. Das Kürzel steht für "Southern European Seas: Assessing and Modelling Ecosystem".

Schiff Ahoi!

Beim SESAME-Projekt arbeitet das Institute of Marine Sciences mit vielen anderen Instituten zusammen, um mehr über das komplexe Ökosystem Mittelmeer/Schwarzes Meer zu erfahren. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass das Schwarze Meer und das Mittelmeer erstmals zusammen als ein gemeinsames großes Ökosystem betrachtet werden. Ziel des SESAME-Projektes ist es, so viel wie möglich über dieses Ökosystem zu erfahren. Dazu müssen die Wissenschaftler vor allem eins tun: aufs Meer hinausfahren, tauchen, fotografieren, Proben nehmen, messen. Die Ausflüge mit dem Forschungsschiff gehören zu den spannendsten und abenteuerlichsten Momenten der Meeresforschung. Das zeigen auch die faszinierenden Bilder, die während solcher Fahrten bei Tauchgängen entstehen.

Bildergalerie | Tauchgang in eine bunte Unterwasserwelt


Dieser Beitrag entstand im Zuge des EuroScience Open Forum (ESOF) 2008.


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© NASA Earth Observatory (2004)


Institute of Marine Sciences

Das Institute of Marine Sciences wurde 1975 gegründet und gehört zur Middle East Technical University of Turkey in Ankara. Das Institut selbst liegt direkt an der Mittelmeerküste, im Süden der Türkei bei Mersin, nahe Adana (siehe Karte links und Reiseführer-Karte). Ziel des Instituts ist es, das Wissen über die Meere, die die Türkei umgeben, zu vertiefen und diese Erkenntnisse dann öffentlich zu machen, damit lokale Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft diese in ihre Arbeit einbeziehen können. So wollen die Forscher dabei helfen, das sensible Ökosystem zu schützen.
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Schwarzes Meer

Das Schwarze Meer ist ein Binnengewässer mit einer Fläche von 436.400 Quadrat-kilometern; das entspricht fast der Fläche Schwedens. Es liegt zwischen dem südöstlichen Teil Europas und der Türkei. Über viele Flüsse gelangt ständig Süßwasser in das Schwarze Meer; über den Bosporus und die Dardanellen ist es mit dem Mittelmeer verbunden. Sechs Länder grenzen direkt ans Schwarze Meer: Ukraine, Russland, Georgien, Türkei, Bulgarien und Rumänien.

Mittelmeer

Das Mittelmeer ist nahezu komplett von Land umgeben: von Europa im Norden, von Afrika im Süden und von Asien im Osten. Das Mittelmeer ist fast 2,5 Millionen Quadratkilometer groß. Im Westen liegt die nur 14 Kilometer breite Öffnung zum Atlantik, die als Straße von Gibraltar bekannt ist. Seit der Antike ist das Mittelmeer eine wichtige Handelsstraße, und längst ist es auch Urlaubsziel unzähliger Touristen. Dabei ist das Mittelmeer ein sehr  sensibles Ökosystem: Nicht nur der Klimawandel verändert das Mittelmeer.


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