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02/16/10

Spanien | Die Seevögel-Schützer der mallorcinischen Population Ecology Group

Forschen auf Malle? Das gibt es tatsächlich. Mallorca hat sogar eine eigene Universität. Und an dieser Universität gibt es eine Gruppe Wissenschaftler, die sich auf die gefiederten Bewohner der Balearen spezialisiert hat, denn von denen gibt es hier jede Menge. Trotzdem brauchen die Vögel Schutz. Das Science-Guide-Forschungsschiff besucht die Population Ecology Group am Institut Mediterrani d'Estudis Avançat, die für den Vogelschutz sorgen.

Von Maike Krause

Sommer, Sonne, Strand und Meer | Forschen im Urlaubsparadies
Forschen vor traumhafter Kulisse – wie hier auf der Dracheninsel vor Mallorca. © Population Ecology Group-IMEDEA (CSIC-UIB)

Das absolute Lieblingsurlaubsziel der Deutschen heißt, na klar, Mallorca. Auch das Science-Guide-Forschungsschiff hat auf "Malle" angelegt: Die Baleareninsel hat neben Ballermann, Strand und Wasser auch spannende Forschung zu bieten. Abseits von Massentourismus und Dauerparty gibt es auf und um Mallorca einige Naturschutzgebiete, in denen Pflanzen, Meeres- und Landtiere friedlich und größtenteils ungestört leben. Säugetiere sind auf der Insel nur spärlich vertreten, dafür leben hier zahlreiche Vogelarten. Die Population Ecology Group der mallorquinischen Universität erforscht deshalb vor allem die einheimischen Seevögel.

Umweltschutz mit Köpfchen
Auf den Balearen fühlen sich viele Vogelarten ziemlich wohl – und das soll auch so bleiben. © Population Ecology Group-IMEDEA (CSIC-UIB)

Die Umwelt zu schützen, das ist gar nicht so einfach. Es reicht nicht, eine Fläche zum Naturschutzgebiet zu erklären, eine (imaginäre) Grenze um sie herum zu ziehen – und fertig. Impulsive, gut gemeinte Aktionen wie zum Beispiel das Aussetzen von Pflanzen- oder Tierarten in ein solches Schutzgebiet, können oft mehr Schaden als Nutzen anrichten: Die Fremdlinge können für die beheimateten Arten eine ernste Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum werden und sie im schlimmsten Falle sogar verdrängen. So haben zum Beispiel verwilderte Hausziegen auf Mallorca die Pflanzenwelt schwer geschädigt – große Flächen sind abgegrast oder plattgetrampelt worden, zeigte eine 2007 im Journal "Biodiversity and Conservation" veröffentlichte  Studie. Die Population Ecology Group versucht daher, wissenschaftlich an die Sache heranzugehen. Die Forscher aus den Fachrichtungen Biologie, Meeresforschung, Physik und Tierheilkunde kombinieren ihr Wissen, um so Eingriffe jeglicher Art zunächst theoretisch durchzuspielen.

Einige Fragen, die die Wissenschaftler klären wollen, sind: Stellt die Mittelmeermöwe, die am liebsten kleinere Seevögel verspeist, eine Bedrohung für die Tier- und Pflanzenwelt im Mittelmeerraum dar? Ist Keulen eine effektive Methode, um Populationsgrößen und -ausbreitung einer potenziell bedrohlichen Art zu kontrollieren? Würde die Beseitigung von Ratten auf den Chafarinas-Inseln (eine zu Spanien gehörende Inselgruppe vor Marokko) dazu führen, dass die örtliche Sturmtaucher-Population wächst? Könnte man Schildkröten wieder dauerhaft auf den balearischen Inseln etablieren?

Fischerei | Freund und Feind zugleich
Noch finden die Vögel genug Fische im Meer. © Population Ecology Group-IMEDEA (CSIC-UIB)

Seevögel lieben Fisch – viele Menschen auch. Das führt zu Konflikten. Die Beziehung der Vögel zur Fischerei ist zwiespältig: Einerseits bieten die Fischabfälle, die von den Trawlern ins Wasser geworfen werden, eine leicht zugängliche und ergiebige Nahrungsquelle. Bei einigen Arten hat dieser Nahrungsüberfluss erst zu ihrer heutigen Populationsgröße geführt. Andererseits stellen Netze und Haken für Vögel eine Gefahr da: Wer nicht aufpasst, wird aus dem Wasser geangelt. Auf lange Sicht gesehen wird die Fischerei aber eher zur Bedrohung für die Seevögel. Viele Fischarten werden bereits heute rücksichtslos ausgebeutet. Wohin das führt, kann man sich leicht ausmalen: Irgendwann können sich die Bestände nicht mehr erholen, dann ist Schluss. Es gibt also nichts mehr, was die Trawler fangen könnten. Für die Vögel bedeutet das dann: Kein Futter mehr: keine Abfälle, kein Frischfisch. Für den Balearen-Sturmtaucher und einige andere Arten, die schon jetzt als bedroht gelten, könnte das das Aus bedeuten. Auch hier versucht die Population Ecology Group, "Was-wäre-wenn"-Szenarien durchzuspielen, um Lösungen zu entwickeln.


Dieser Beitrag entstand im Zuge des EuroScience Open Forum (ESOF) 2008.


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© Population Ecology Group-IMEDEA (CSIC-UIB)


Population Ecology Group

Die Population Ecology Group ist ein 1999 gegründetes Team von Biologen, Meereswissenschaftlern, Physikern und Veterinärmedizinern. Sie gehört zur  Universitat de les Illes Balears in Palma de Mallorca. Die Gruppe beschäftigt sich mit bedrohten Populationen im Mittelmeerraum und ganz besonders mit Seevögeln. Ob Ernährung, Brutverhalten oder Einfluss schädlicher Umwelteinflusse: Die Forscher untersuchen alles, was die Bevölkerungsentwicklung der Seevögel beeinflusst. Die Population Ecology Group setzt sich außerdem für den Schutz bedrohter Arten ein.

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Der Cabrera-Nationalpark

14 Kilometer vor der Küste Mallorcas erstreckt sich über einen Archipel von 18 Inseln Spaniens einziger Meeresnationalpark. Es leben kaum Menschen auf den Inseln, dafür umso mehr Tiere. Vor ungefähr 15.000 Jahren haben sich die Inseln von Mallorca abgetrennt. Die räumliche Trennung hat dazu geführt, dass sich Tierarten auf den verschiedenen Inseln jeweils ein wenig anders entwickelten – ein Traum für Forscher.

Seit 1991 ist der Archipel ein Nationalpark. Die Besucherzahlen für die größte Insel, Cabrera, sind auf 200, im August auf 300 Menschen pro Tag beschränkt. Außerdem dürfen pro Tag nur 50 Boote vor der Insel festmachen. Trotzdem steigen Zahlen im Jahr insgesamt, was die Forscher der Population Ecology Group als Bedrohung für das Schutzgebiet ansehen. Immerhin steigt so auch der Druck, größere Teile des Nationalparks für Besucher zugängig zu machen – und das würde einen schweren Eingriff in das Naturparadies bedeuten.


Vom Aussterben bedroht: Balearen-Sturmtaucher

© Population Ecology Group-IMEDEA (CSIC-UIB).

Gefahr gebannt: Korallenmöwe

© Population Ecology Group-IMEDEA (CSIC-UIB)


Spanische Meeresforschungseinrichtungen

Andalucian Sea Sciences Institute
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Canarian Institute of Marine Sciences
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Instituto de Investigaciones Marinas
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Institut de Ciencias Del Mar
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Instituto Español de Oceanografía
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