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02/16/10

Schweden | Fjord-Forschung in Fiskebäckskil

Der Gullmarjsfjord ist einzigartig, und das gleich aus zwei Gründen: Zum einen ist er der längste Fjord Schwedens und zum anderen bietet er eine unglaublich vielfältige Auswahl an Lebensräumen. Diese Tatsache hat schon im 18. Jahrhundert Wissenschaftler angelockt. Auch das Science-Guide-Forschungsschiff legt im kleinen Örtchen Fiskebäckskil an, wo eine ganz besondere Forschungsstation steht.

Von Maike Krause

Forschung mit Tradition
Am Rande des ehemaligen Fischerdörfchens Fiskebäckskil liegt die Kristineberg Station.

© Chuck Nhorus/flickr

An Schwedens größtem Fjord, dem Gullmarsfjord, liegt eine der ältesten Meeresforschungsstationen der Welt: die Kristineberg Marine Research Station. Schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen Wissenschaftler hierher, angelockt von der einzigartigen Flora und Fauna des Gullmarsfjord. 1877 errichtete die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften dann die  Station Kristineberg im idyllischen Örtchen Fiskebäckskil, etwa 120 Kilometer nördlich von Göteborg. Heute ist die Station die größte Außenstelle für Meeresforschung in ganz Schweden.

Eine bunt gemischte Nachbarschaft
Der Krill lebt normalerweise in tieferen Gewässern. Im flachen Gullmarsfjord findet man ihn aber trotzdem. © Wikimedia Commons. Foto: Øystein Paulsen.

Er ist der längste Schwede – der Gullmarsfjord. Stolze 30 Kilometer misst er. Mit einer maximalen Tiefe von 118 Metern ist er aber eher flach. Seit 1983 ist der Fjord ein Meeresschutzgebiet – und das nicht ohne Grund: Er hat eine unglaubliche Vielfalt an Lebensräumen zu bieten. Seegraswiesen, seichte Buchten oder steile Schluchten: Das alles findet sich in einem einzigen Fjord. Stein-, Sand- oder Tonstrände, feste und weiche Böden, geschützte und ungeschützte "Wohngebiete" beherbergen Pflanzen- und Tierarten mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen. Hier leben sogar Krill und Eismeergarnelen, die sich sonst eigentlich nur in tieferen Gewässern wohl fühlen. Offenbar können sie den Reizen des Fjordes nicht widerstehen. Genauso wenig wie die Forscher, die schon in den 1830er Jahren begannen, den Artenreichtum des Gullmarsfjordes wissenschaftlich zu studieren.

Unberührte Natur – dank strenger Gesetze
Die Eismeergarnelen können den Großteil des Jahres unbehelligt im Gullmarsfjord leben: Nur an 100 Tagen dürfen sie gefangen werden. ©

Asbjørn Hansen/flickr

Wie ein Wunder scheint es, dass der Fjord bis heute fast vollständig vom Einfluss des Menschen verschont geblieben ist. Es gibt keine industrielle Verschmutzung, keinen Bergbau, keinen Müll, keine Ausbaggerungen. Abflüsse aus der Landwirtschaft gibt es dank strenger Gesetze kaum, ebensowenig wie Abwasserzulauf. Das war aber nicht immer so. Noch bis in die 1960er Jahre litt die Natur am und im Gullmarsfjord unter starker Verschmutzung durch die Papierindustrie, ergab eine  Studie. Seitdem hat sich einiges getan. Vor allem die chemische Reinigung der Industrieabwässer hat dazu beigetragen, dass der Fjord heute so vielen Arten Lebensraum bietet.

Fischfarmen sucht man im Gullmarsfjord vergeblich. Eismeergarnelen dürfen nur in einem ganz bestimmten Gebiet an 100 Tagen im Jahr gefangen werden, damit der Boden durch die Grundschleppnetze nicht zu sehr beschädigt wird. Ein weiterer Vorteil für die zahlreichen Tiere und Pflanzen: Am Gullmarsfjord leben nur wenige Menschen – die meisten, nämlich knapp 8000, in Lysekil, an der Mündung des Fjords.


Dieser Beitrag entstand im Zuge des EuroScience Open Forum (ESOF) 2008.


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Sven Lovén Centre for Marine Sciences

Seit Anfang 2008 gibt es das Sven Lovén Centre for Marine Sciences an der Universität Göteborg. Neben der Station Kristineberg gehört das Marine Biological Laboratory in Tjärnö dazu. Ziel des Sven-Lovén-Zentrums ist es, die Meeresforschung durch eine enge Kooperation dieser Stationen zu stärken.

Doch wer war eigentlich Sven Lovén? Sven Lovén wurde 1806 in Uppsala geboren und war Professor für Zoologie. Der Schwede gründete die Kristineberg-Station und gilt als Vater der Meereszoologie. Am Anfang seiner Karriere beschäftigte er sich hauptsächlich mit Muscheln, später auch mit anderen Wirbellosen. Seine Forschung führte ihn mehrmals in die Arktis, erstmals 1837 – damit war er der erste Schwede in der Polarregion.

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Meeresaquarium in Lysekil

Wer den Gullmarsfjord besucht, sollte einen Abstecher zum "Havets Hus" machen. Hier können Besucher mehr über die Lebewesen im Fjord erfahren – und sie in kleinen und großen Aquarien beobachten. Das Wasser kommt direkt aus dem Gullmarsfjord, damit die Umgebung für die Tiere so natürlich wie möglich ist. Außerdem gibt es einen Filmraum, in dem Filme über Meeresbiologie gezeigt werden.

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