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02/16/10

Italien | Walforschung hautnah mit dem Tethys Research Institute

Das Science-Guide-Forschungsschiff ist am nächsten Reiseziel angekommen: dem Mittelmeer. Auf einem kleinen, motorisierten Schlauchboot warten ein paar Menschen gespannt darauf, dass endlich ein Delfin oder ein Wal auftaucht. Für einige von ihnen wird es das erste Mal sein, dass sie einem Meeressäuger so nahe kommen. Das Boot gehört zum italienischen Tethys Research Institute, das seit 1990 wissenschaftlich Interessierte mit auf Forschungsfahrten nimmt.

Von Maike Krause

Ein Paradies für Wale

Zwischen Italien und Frankreich liegt das Ligurische Meer, ein außergewöhnlicher Teil des Mittelmeeres: Hier gibt es ein Wal-Schutzgebiet, das ideale Forschungsbedingungen bietet. In den Küstenregionen sind viele verschiedene Walarten zu Hause: Pottwale, Rundkopfdelfine, Grindwale, Große Tümmler, Schnabelwale und Streifendelfine. Weiter draußen lässt sich außerdem der Finnwal beobachten. Das Wasser im ligurischen Wal-Schutzgebiet ist besonders reich an Nährstoffen und daher gibt es Plankton, Wirbellose und Fische in Hülle und Fülle – alles, was ein Wal zum Glücklichsein braucht. Deswegen gibt es hier auch so viele Wale wie nirgends sonst im Mittelmeer.

Forschung live und in Farbe

Wer Teilnehmer an einem "field course" ist, hat vor allem eine Aufgabe: fotografieren! So können die Forscher wichtige Informationen über Aufenthaltsorte, Gruppengrößen, Anzahl der Jungtiere in einer Gruppe und das Verhalten der Tiere festhalten und sammeln. Anhand von bestimmten Körperteilen können die Wissenschaftler außerdem herausfinden, um welchen Wal oder Delfin es sich genau handelt.


Wer bin ich?

Für jede Walart benutzen die Forscher Fotos von jeweils charakteristischen Körperteilen als Identifikationshilfen:

Finnwale (engl.: Fin Whale, Finback, Finner)

Finnwale lassen sich anhand ihrer Rückenflosse und eines flammenförmigen Musters auf der rechten Seite ihres Blaslochs identifizieren.

© Sabina Airoldi/Tethys Institute
Rundkopfdelfine (engl.: Grampus) und Schnabelwale (engl.: Beaked Whale)

Rundkopfdelfine (Foto) und Schnabelwale haben ebenfalls charakteristische Rückenflossen. Besonders gut lassen sich die Individuen jedoch anhand der auffälligen weißlichen Narben unterscheiden, die sie am ganzen Körper haben.

© Tethys Institute
Große Tümmler (engl.: Bottlenose Dolphin) und Grindwale (engl.: Shortfin Pilot Whale)

Große Tümmler (Foto) und Grindwale haben individuell verschiedene Rückenflossen.

© Patrizia Patti/Tethys Institute
Pottwale (engl.: Sperm Whale)

Pottwale lassen sich anhand ihrer Schwanzflossen und ihrer Färbung auseinanderhalten. Zusätzlich werden die Riesen unter Wasser mit einer speziellen Lasertechnik vermessen.


Dieser Beitrag entstand im Zuge des EuroScience Open Forum (ESOF) 2008.


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© Tethys. Foto: Tim Stenton


Tethys Research Institute

Das Tethys Research Institute gehört zu den weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Walforschung. Seit 1986 erforschen dessen Mitarbeiter Wale und Delfine im Mittelmeer, ihr Verhalten, ihre Lebensweise und die Populationsentwicklung. Dabei ist eine der größten Datenansammlungen über Meeressäuger entstanden: In den Archiven finden sich mehr als 200.000 Fotos von verschiedenen Walen – und mit diesen Bildern können die Wissenschaftler mittlerweile mehr als 1500 Wale individuell erkennen. Ein wichtiges Ziel des Tethys Research Institute ist es, die Artenvielfalt im Mittelmeer zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen sich die Mitarbeiter für den Naturschutz ein und bringen der Bevölkerung die Welt der Meeressäuger näher. So können Laien, die an der Walforschung interessiert sind, seit 1990 an sogenannten "field courses" – Forschungsreisen über das Mittelmeer – teilnehmen. Das Tethys Research Institute ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO) mit Hauptsitz in Mailand und Zweigstellen in Griechenland.

Homepage:  www.tethys.org


Angeberwissen | Wale

• Wale gehören zur Ordnung der Cetacea. Der Name leitet sich ab aus dem griechischen "ketos" für "Seeungeheuer" bzw. dem lateinischen "cetus" für "großes Meerestier".

• Der nächste lebende Verwandte der Wale ist das Flusspferd.

• Der älteste bekannte Wal war ein Grönlandwal, der Ende des 20. Jahrhunderts in der Arktis von Walfängern im Alter von 211 Jahren erledigt wurde.

• Wale sind nicht so intelligent, wie lange angenommen wurde. Ihr Gehirn ist zwar im Verhältnis zu ihrer Körpergröße relativ groß, der Anteil an Nervenzellen ist aber kleiner als bei einer Ratte.

• Wale retten in Seenot geratene Menschen nicht aus Nächstenliebe sondern weil ein Instinkt ihnen das befiehlt. Für sie sieht ein Mensch im Wasser aus wie ein Junges, das sie dringend zum Atmen an die Oberfläche befördern müssen.

• Wale haben drei Mägen: einen muskulösen Vormagen, der Nahrung mechanisch zerkleinert, einen Hauptmagen und einen Nachmagen.

• Zur Jagd kooperieren Wale auch mal mit anderen Arten: Zum Beispiel gehen manche Delfine zusammen mit Thunfischen auf Beutezug.

• Das Skelett von Walen ist relativ schwach und kann das enorme Gewicht nur im Wasser tragen. Deshalb trocknen gestrandete Wale meist nicht aus, sondern werden eher von ihrem eigenen Gewicht erdrückt.

• Orcas oder Schwertwale jagen sogar Haie. Zuerst befördern sie den Hai mit einem kräftigen Schwanzflossenschlag an die Wasseroberfläche, dann brechen sie ihm mit einem weiteren Hieb das Rückgrat.

• Wale atmen vor einem Tauchgang nicht ein, sondern aus. Deshalb sind ihre Lungen auch im Vergleich zu ihrem Körper nur halb so groß wie bei Landsäugetieren. Nur ohne Luft im Körper kann der Wal den hohen Druck unter Wasser aushalten. Sauerstoff für lange Tauchgänge speichert der Wal im Blut und in den Muskeln.

(Quellen:  W wie Wissen,  Die Welt, Wikipedia ( 1,  2), WWF ( 1,  2).)


Italienische Meeres-Forschungseinrichtungen

Instituto di scienze marine
( zur Homepage)
National Institute of Oceanography and Experimental Geophysics
( zur Homepage)
Institute of Fishery and Aquaculture
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Institute of Scientific and Technological Research about the Sea
( zur Homepage)

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