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01/18/09

Chancengleichheit | Von alleine kommt sie nicht

Angesichts der  beschriebenen Ungleichheit drängen sich zwei Fragen auf: Wo liegen die Gründe dafür, und was kann getan werden, um sie zu beseitigen? In der "Mapping the Maze"-Studie werden hierzu einige Vorschläge gemacht. So sei es ein Problem, dass die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der Wissenschaft oft einfach ignoriert und geleugnet werde.

Frauenkunde für Führungskräfte

Die Autoren sehen daher die Europäische Union (EU) und die Regierungen der einzelnen Mitgliedsstaaten in der Pflicht die Entscheidungsträger für das Thema zu sensibilisieren. Anerkannte Wissenschaftler sollen durch Workshops systematisch den Gleichberechtigungsgedanken bei Führungskräften etablieren. Weitere Maßnahmen könnten ein verbindliches Geschlechtergleichgewicht in Entscheidungsgremien sowie ein besserer Ausgleich zwischen Arbeit und übrigen Lebensinhalten für Männer und Frauen in der Wissenschaft sein. Auch sollten die Kriterien und Verfahren der Forschungsfinanzierung sowie bei Beförderungen und der Vergabe von Posten öffentlich gemacht werden, um Benachteiligungen zu verhindern. Zusammenfassend stellen die Autoren fest: "A change of culture is required" – ein Kulturwechsel in der Wissenschaft ist nötig.

Mit gutem Beispiel voran


Eine Verbesserung der Chancengleichheit ist auf vielen Ebenen nötig. Hier einige Beispiele, wie dies in europäischen Ländern versucht wird - von Anna Behrend und Inka Reichert.

Schweiz: Transparenz schaffen

In den Jahresberichten der Swiss National Science Foundation werden die Daten nach Geschlechtern aufgeschlüsselt. So wird zum Beispiel genau aufgelistet, wie viele Projektförderungsanträge in den einzelnen Forschungsbereichen bewilligt wurden - je nachdem, ob der Antragsteller ein Mann oder eine Frau war.  Zu den Zahlen für 2006.

Vereinigtes Königreich: Kulturwandel einleiten

Das UK Resource Centre for Women in Science, Engineering and Technology (SET) hat neben vielen anderen Initiativen auch einen Fragebogen entworfen, der die für die Gleichstellung am Arbeitsplatz entscheidenden Faktoren erfasst. So können Einrichtungen überprüfen, wie es bei ihnen um die Gleichberechtigung steht.  Zur Homepage des Projekts.

Norwegen: Transparenz bei Budget-Entscheidungen

In Norwegen müssen Regierungsministerien per Gesetz jährlich einen Bericht abliefern, wie die Gelder verteilt wurden – und das aufgeschlüsselt nach Geschlecht der Antragsteller. Die Universität Oslo hat dieses Konzept übernommen und erhebt sowie evaluiert nun ebenfalls Daten dieser Art. Sie ist somit Teil des "Nordic-Baltic Network on Gender Responsive Budgeting", einem Netzwerk von Universitäten, die ihre Ausgaben auf Geschlechter-Diskriminierung hin untersuchen.  Zur Homepage des Netzwerks.

Spanien: Gleichberechtigung per Gesetz

Die spanische Regierung verabschiedete im März 2007 ein neues Gleichstellungsgesetz, das alle Bereiche des öffentlichen Lebens erfasst und verbindliche Geschlechterverhältnisse in Gremien und auf Partei-Listen vorschreibt.

Deutschland: Gender-Test und Initiative Chancengleichheit

Um Gender-Aspekte in ihrer Bedeutung für die Technologie- und Produktentwicklung in verschiedenen Forschungsfeldern zu erfassen, rief die Fraunhofer-Gesellschaft 2006 das Projekt "Discover Gender" ins Leben. So sollen neue Technologien besser an die Bedürfnisse aller Käufer- und Käuferinnengruppen angepasst werden. Die Ergebnisse des Projekts samt Empfehlungen für die Zukunft sind in den beiden Büchern  "Wie können Gender-Aspekte in Forschungsvorhaben erkannt und bewertet werden?" und  "Gender als Innovationspotenzial in Forschung und Entwicklung" nachzulesen.

2006 haben sieben deutsche Forschungsorganisationen - darunter die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) - die "Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen" ins Leben gerufen. Sie verpflichten sich dazu, Frauen in der Wissenschaft deutlich stärker teilhaben zu lassen, den Fortschritt zu überwachen und die Ergebnisse zu evaluieren. Weitere Informationen zur Offensive gibt es  hier.

Außerdem gibt es seit 2003 auch das GenderKompetenzZentrum an der Berliner Humboldt-Universität: Diese anwendungsorientierte Forschungseinrichtung soll die öffentliche Verwaltung in der Gleichstellungspolitik unterstützen. Zahlreiche Informationen - nicht nur Gleichstellungsbeauftragte - gibt es  hier.


Dieser Beitrag entstand im Zuge des EuroScience Open Forum (ESOF) 2008.


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Fakten über Frauen

Wieviel Prozent verdient eine Physikerin im europäischen Durchschnitt weniger als ein männlicher Kollege in gleicher Position? Und wie sieht der Glas-Ceiling-Index aus? Tabellen und Grafiken zum Thema "Frauen in der Forschung" gibt es  hier.

Die Frauen bleiben zurück - und holen doch auf

Wie kommt es, dass mehr Frauen als Männer studieren, aber es nur vereinzelt Professoren sind? Was ist der Gender Pay Gap? Und was ist der Glas-Ceiling-Index? Die Antworten finden Sie auf der Startseite dieses Multimedia-Beitrages -  hier.

Nachgefragt: Was Forscher über Frauen in der Forschung denken

Ist die Arbeit in einer ausschließlich männlichen Forschungsgruppe erfolgreicher? Wieso haben Männer bessere Karrierechancen in der Wissenschaft? Und wie hoch ist der Anteil an Professorinnen in den Niederlanden? Auf diese und andere Fragen haben Wissenschaftler während der ESOF 2008 geantwortet - die Clips dazu gibt es  hier.


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